Der anhaltende Fachkräftemangel stellt die heimische Wirtschaft und insbesondere Lehrbetriebe vor große Herausforderungen. Bei der Ausbildung von Lehrlingen ist die duale Ausbildung ein zentrales Fundament und muss laufend an moderne betriebliche Realitäten angepasst werden. Denn das Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetzes (KJBG) begrenzt die tägliche Arbeitszeit von minderjährigen Lehrlingen auf maximal neun Stunden. Diese starre Regelung führt in der Praxis zu mehreren Problemen: Lehrlinge können nicht in bestehende betriebliche Arbeitszeitmodelle integriert werden und Betriebe haben erhöhten organisatorischen und finanziellen Aufwand.

In zahlreichen Betrieben haben sich flexible Arbeitszeitmodelle bereits bewährt, so erhöhen diese die Attraktivität der Arbeitsplätze, verbessern die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit und stärken die Mitarbeiterzufriedenheit. Für minderjährige Lehrlinge ist die Teilnahme an solchen Modellen jedoch nach derzeitiger Rechtslage ausgeschlossen.

Die Steiermark wird sich daher beim zuständigen Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz stark machen und sich für eine Novellierung des Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetzes (KJBG) einsetzen. Die Landtagsklubs der Regierungsfraktionen bringen deshalb einen Antrag im kommenden Wirtschaftsausschuss ein.

Ziel soll es sein, flexible Arbeitszeitmodelle auch für minderjährige Lehrlinge zu ermöglichen und dabei die tägliche Arbeitszeit von zehn Stunden nicht zu überschreitet. Vergleichbare flexible Arbeitszeitmodelle sollten dann auch für erwachsene Mitarbeitende im jeweiligen Betrieb gelten.

„Der Ausbildungsalltag weicht zunehmend von der tatsächlichen Berufspraxis ab, was Motivation und Ausbildungszufriedenheit beeinträchtigt. Eine Modernisierung des Jugendarbeitsrechts bedeutet dabei keine Ausweitung der Arbeitszeit, sondern lediglich eine flexiblere Verteilung innerhalb der bestehenden wöchentlichen Normalarbeitszeit“, so ÖVP-Wirtschaftssprecherin Martina Kaufmann und stellt klar: „Es muss möglich sein, die Ausbildungsstunden über eine Arbeitswoche praxisnäher zu gestalten.“

FPÖ-Lehrlingssprecher LAbg. Luca Geistler betont: „Wer junge Menschen ernsthaft für eine Lehrausbildung gewinnen will, muss ihnen ermöglichen, in modernen Betrieben auch nach zeitgemäßen Arbeitszeitmodellen ausgebildet zu werden. Dabei geht es ausdrücklich nicht um längere Arbeitszeiten, sondern um mehr Flexibilität innerhalb klarer Schutzbestimmungen. Ausbildung und Gesundheit der Lehrlinge müssen weiterhin oberste Priorität haben. Eine praxisnahe Modernisierung des Jugendarbeitsrechts ist ein wichtiger Schritt, um die Lehre zu stärken und den Wirtschaftsstandort nachhaltig abzusichern.“

Grundvoraussetzung der Novellierung müssen aber weiterhin klare Schutzbestimmungen sein, insbesondere die vollständige Erfüllung der Ausbildungspflicht. Auch der Wirtschaftsbund Steiermark und die Freiheitliche Wirtschaft Steiermark sprechen sich im Wirtschaftsparlament für eine solche Anpassung aus.